01. Oktober 2025

Schattsaum pflanzen

Schwierige dunkle Ecken in Gärten farbenfroh und naturgetreu begrünen!

In Kirchgärten, auf dem Friedhof und im eigenen Garten finden sich wertvolle Lebensräume für viele einheimische Pflanzen und Tiere. Jeder Gartenbesitzer(in) kennt jedoch das Problem: dunkle, halbschattige bis schattige Ecken, wo scheinbar nichts blühen kann. Aber weit gefehlt: durch ein gezielte Umgestaltung kann auch hier eine blühende Fläche enstehen, welche vielen Arten Nahrung und Lebensraum bietet. Auch eine Brennesselecke darf für die Artenvielfalt dabei sein. Die Natur hält eine ganze Palette bereit für solche unbeliebten Standorte - mit Pflanzen, die aber in gängigen Gärtnereien und Gartencentern fehlen, da sie zwar heimisch, aber meistens leider völlig unbekannt sind. Viele dieser Schönheiten finden in unseren traurigerweise häufig monotonen Kulturlandschaften kaum noch geeignete Lebensräume…Das kann jeder Interessierte mit Hilfe dieser Anleitung und den Pflanzentipps ändern und damit sogar ein wenig zum Artenschutz beitragen!

 

Wie gelingt ein Schattenbeet, was ist zu beachten?

Die beste Pflanzzeit ist der Herbst. Nachhaltiger und langfristiger als Einzelpflanzungen ist die Pflanzung einer Samenmischung (Schattsaum) mit entsprechender Initialpflanzung (zusätzliche Pflanzen, die schon ausgewachsen sind inklusive Zwiebelpflanzen als Geophyten in Zwiebelform), um eine langlebige und abwechslingreiche Pflanzung zu erhalten. In den folgenden 15 Arbeitsschritten kann eine Anlage eines Schattensaumes mit Initialpflanzung sowie Frühblühern umgesetzt werden:

  1. Bodenprobe an mind. 3 verschiedenen Stellen des Gartens nehmen und auf Beschaffenheit prüfen (einfache Krümelprobe). Ergebnis bei uns: sandig-lehmig, insofern kein Einarbeiten von Sand oder Kompost in die Pflanzfläche nötig.
  2. Den Bewuchs mit dem Spaten oberflächig entfernen (sowie alle Unkräuter und alte Wurzeln!) und den Boden mit der Harke bzw. Grabgabel ordentlich aufhacken (einige Tage vor).
  3. Für die Anlage und Bepflanzung gut 3-5 Stunden Arbeitszeit einplanen.
  4. Eine Fläche von etwa 2,5 x 6 m (nochmal genau eingezäunte Fläche nachmessen!) etwa 20-30 cm tief ausschachten und mit einer Gartenfräse umfräsen (auf evtl. Kabel achten!)
  5. Anschließend Fläche wieder zuschütten und durch leichtes gleichmäßiges „-in-kleinen Trippelschritten-darauf-laufen“ Fläche wieder anplatten.
  6. Die Pflanzen dann auf dem Beet ausstellen und überprüfen, ob alles passt (in unserem Fall auf dem Tisch: Die Pflanzen am besten in größeren Gruppen anordnen. Dabei die hochwüchsigen Arten (Gerüststauden) eher in die Mitte oder in den Hintergrund in größerem Abstand zueinander setzen, die mittelhohen Arten (Begleitstauden) davor und die niedrigwüchsigen Arten (Bodendecker) eher an den Rand setzen.
  7. Die Pflanzballen müssen feucht sein. Sind sie es nicht, vorher in Wasser tauchen (sie waren aber trotz Transport noch gut feucht).
  8. Pflanzen aus den Töpfen nehmen und den Wurzelballen etwas aufreißen. Pflanzen mit einer Pflanzschaufel oder Spaten einpflanzen: Mit der Pflanzschaufel ein genügend großes und tiefes Loch ausheben, die Pflanze einsetzen, Erde bis zum Rand anfüllen und fest andrücken.
  9. Schattsaum-Mischung in einem Eimer mit etwas Sand mischen, damit er sich besser verteilt (Ansaatstärke 3g / qm) und gleichmäßig zwischen den Pflanzen breitwürfig auf der gesamten Fläche ausstreuen (weiteres Saatgut des Schattsaums auf der Fläche beim Leuchturm -in gleicher Weise verteilen).
  10. Zwiebelpflanzen und Rhizomstücke in einem Eimer mischen, mehrmals eine Handvoll nehmen und dort einpflanzen, wo sie hingefallen sind (3-mal so tief wie die Zwiebel hoch ist). So erhält man eine natürlich wirkende Verteilung der Zwiebeln im Beet.
  11. Alle Pflanzen gut wässern bzw. mit leichtem Sprühstrahl Fläche gut feucht halten (anfangs etwa alle 2-3 Tage – je nach Witterung)
  12. Mit deutlicher Abgrenzung (Flatterband gegen Vögel) Fläche kennzeichnen – darf bis zum Frühjahr nicht betreten werden!
  13. Fläche rundherum von Erde befreien und sichtbare Rasenkante wiederherstellen!
  14. PFLEGE: bepflanzte Fläche frühstens Ende Mai mähen; später möglichst abschnittsweise (partiell) – aber nur in mehrjährigem Abstand im späten Herbst oder zeitigem Frühjahr als Reinigungsschnitt erforderlich. Bei zu häufiger Mahd kann der Saum wieder verschwinden. Verwelkte Blätter stehen lassen.
  15. GEDULD: Pflanzen in schattigen Bereichen brauchen teilw. 3-4 Jahre bis zur Blühreife!

 

Passende Pflanzen bzw. Frühblüher für unterschiedliche Bodenarten

Um einzelne Arten auf wenig Fläche zu pflanzen, haben sich folgende Arten für den Halbschatten bzw. schattige Bereiche bewährt. Damit die Fläche übers Jahr verteilt blüht, sollten die Blühzeiten beachtet werden: FB = Frühblüher, SB = Sommerblüher, SpB = Spätblüher (Farbe, Blühmonate).

                                                                                                                                               

Für neutrale - leicht saure, leicht lehmige bis feuchte, nährstoffreiche Böden:        

 

Kleine Pflanzen (vorn pflanzen):       

Winterling (Eranths hyemalis) FB (gelb, 1-3)                                                                                                     

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) FB (weiß, 2-3)                                                                            

Buschwindröschen (Anemone nemorosa) FB (weiß, 3-5)                                                                   

Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides) FB (gelb,3-5)                                                           

Zweiblättriger Blaustern (Scilla bifolia) FB (blau, lila, rosa, 3-4)                                                                                  

Märzenbecher (Leucojum vernum) FB (weiß, 2-4)                                                        

Wald-Schlüsselblume (Primula elatior) FB (hellgelb, 3-5)

Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) FB (lila, blau, weiß, 4-5)

Hohler Lerchensporn (Corydalis cava) FB (rot, weiß, violett, 3-5)

Große Sternmiere (Stellaria holostea) FB (weiß, 5-7)

Waldmeister (Gallium odoratum) FB (weiß, 4-6)

Bärlauch (Allium ursinum) FB (weiß, 5-6)

Duftveilchen (Viola odorata) FB (violett, 3-4)

 

Mittelgroße Pflanzen (mittig pflanzen):

Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) FB (grüngelb, 3-4)

Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) FB (blau, weiß, rot, 5-7)

Schwarze Akelei (Aquilegia atrata) FB (schwarzviolett, 5-7)

Bergflockenblume (Centaurea montanus) FB (violett, 5-10)

Waldstorchschnabel (Geranium sylvaticum) SB (purpur, violett, 6-9)

Wilder Majoran (origanum vulgare) SB (rosa, 7-9)

Walderdbeere (Fragaria vesca) SB (weiß, 5-6)

Große Sterndolde (Astrantia major) SB (weiß-rötlich, 6-8)

Rote Lichtnelke (Silene dioica) SB (rot, 5-6)

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) SB (weiß, 4-6)

Waldziest (Stachys sylvatica) SB (rot, violett, 6-9)

 

Große Pflanzen (nach hinten pflanzen):

Engelwurz (Angelica sylvestris) SB (weiß, 7-9)

Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) SB (blau, violett, weiß, 6-8)

Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) SB (lila, 6-9)

Echter Baldrian (Valeriana officinalis) SB (rosa, weiß, 6-8)

Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris) SB (rot, 7-8)

Blut-Weiderich (Lythrum salicaria) SB (rosa-pink, violett, 6-9)

 

Nur sehr vereinzelt, da eventuell stark wuchernd: Tüpfeljohanniskraut, Kriechende Gemswurz (bei Kindern keine Giftpflanzen wie Maiglöckchen, Weißwurz, Aronstab, Herbstzeitlose bzw. Fingerhut oder Eisenhut!)

Feucht bis sehr feucht: Pfennigkraut, Wasserminze, Wasserdost

 

Für leicht alkalische (kalkhaltige), sandige eher trockene  und nährstoffärmere Böden:

 

Kleine Pflanmzen (vorn pflanzen):           

Frühlingsküchenschelle (Pulsatilla vernalis) FB (weiß-violett, 4-6)

Doldenmilchstern (Ornithogalum umbellatum) FB (weiß, 4-6)

Schneestolz (Chionodoxa luciliae) FB (weiß, 3-4)

Spanisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) FB (weiß, rosa, lila, 4-5)

Stengellose Schlüsselblume (Primula vulgaris) FB (hellgelb, 2-4)

Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus) FB (purporrot mit violett, 5-6)

Leberblümchen (Hepatica nobilis) FB (blauviolett, 3-5)

Haselwurz (Asarum europaeum) FB (braun, 3-5)

Grüne Nieswurz (Helleborus viridus) FB (graugrün, 3-4)

Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) SB und SpB (gelbgrün, 5-11)

Christrose (Helleborus niger) SB (Wnterblüher, weißrosa,12-3)

Gelbes Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) SB (gelb, 4-9)

Berglauch (Allium montanum) SB (roa, 7-8)

 

Mittelgroße Pflanzen (mittig pflanzen):

Blutstorchschnabel (Geranium sanguineum) SB (rot, 5-9)

Blauroter Steinsame (Aegonychon purpurocaeroleum) FB (blaurot, violett-rosa, 4-6)

Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis) FB (lila, weiß 5-7)

Gelber Lerchensporn (Corydalis lutea) SB und SpB (gelb, 5-10)

Ästige Graslilie (Anthericum ramosum) SB (weiß, 6-8)

Schöllkraut (Chelidonium majus) SB (gelb, 5-9)

Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis) SB (weiß, 7-9)

Pfirsich-Glockenblume (Campanula persicifolia) SB (blau, weiß, 6-8)

Echter Gamander (Teucrium chamaedrys) SB (roa-violett, 7-9)

Klebriger Salbei (Salvia glutinosa) SB und SpB (gelb, 6-10)

 

Große Pflanzen (nach hinten pflanzen):

Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium) SB (roa-violett, 5-7)

Herzgespann (Leonurus cardiaca) SB (purpur, 7-9)

Echte Goldrute (Solidago vigaurea) SB und SpB (gelb, 7-10)

Färberginster (Genista tinctoria) SB (goldgelb, 6-8) - Strauch!

Waldglockenblume (Campanula latifolia) SB (blauviolett, 6-8)

 

Nur sehr vereinzelt, da evtl. stark wuchernd: Geflecktes Lungenkraut, Gemeiner Beinwell, Bunte Kronwicke, Brauner Waldstorchschnabel

Kein Waldgelbstern bei Kindern (da schwach giftig)

 

Text: Silke Wiegand, Biologin und tätig in der Umweltbildung in Schleswig-Holstein und Mecklenburg.

Quellen und weitere Informationen:

  • Das Projektteam von "Vielfalt wächst" unterstützt gerne bei der Planung und mit einem "Vielfalt wächst"-Schild.
  • Der Artikel Vielfalt im Schatten über unser Praxisprojekt im Gemeinschaftsgarten des Lutherhauses Lübeck im Rahmen des Projektes „Vielfalt wächst – Klimabewusstsein erden“. Dort hat die Gartengruppe der Gemeinde sich mit Biologin Silke Wiegand und Gesa Holländer, der Koordinatorin von "Luther leuchtet", mehrmals getroffen und gemeinsam die Anlage eines Schattenbeetes geplant und umgesetzt. 
  • Der Gemeinschaftsgarten am Lutherhaus in Lübeck ist tagsüber geöffnet.