Friedhöfe sind Orte der Besinnung und Ruhe fernab vom Alltag - zum Trauern, Gedenken und Aufatmen. Ruhe auch für Tiere und Pflanzen, die in Städten und zwischen intensiv genutzten Landschaftsflächen immer weniger Lebensräume finden. Ein Friedhof mit Altbaumbestand, Steinmauern, Hecken und angepasster Beleuchtung bietet viele Lebensräume und hat eine besondere Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt. Je vielfältiger die Strukturen auf dem Friedhof sind, desto größer ist der Artenreichtum. Das geht auch mit wenig Aufwand!
Friedhöfe können unterstützen die biologische Vielfalt zu bewahren und ermöglichen Menschen tiefe Begegnungen mit der Natur. Mit dem Flyer zum Lebensraum Friedhof wird vermittelt, mit wie wenig Aufwand die Artenvielfalt gefördert werden kann. Durch das Erhalten von Strukturen, das Umgestalten von Freiflächen und die Einbindung von Menschen entsteht nachhaltiges Handeln für den Schutz unserer Schöpfung.
Damit Wildtiere auf dem Friedhof Nahrung finden, sind heimische Wildpflanzen wichtig. Zur Anpflanzung eignen sich ungefüllt blühende Stauden und fruchtende Gehölze, die Nahrung für Schmetterlinge, Vögel und Bienen bieten.
Strukuren erhalten
Ungestörte Flächen - Heimische Hecken und offene Bodenflächen zu belassen, ist einfach und wirkungsvoll. So tauchen auch verdrängte Kräuter von selbst wieder auf. Auch Brennesselecken sind für heimische Schmetterlinge von hohem ökologischem Wert.
Steine - Mauern und Steinhaufen bieten Lebensraum für Insekten, Kleintiere und Pflanzen. Im unteren Mauerfußbereich nisten häufig Erdbienen.
Es sollte kein Zement verwendet und Fugen sollten nicht verfüllt werden.
Moose & Flechten - Alte Mauern, Bäume und Grabsteine sind Lebensraum für eine Vielzahl von spezialisierten Moosen und Flechten, die an das karge Leben angepasst sind. Solange sie keine Inschriften verdecken, sollten sie erhalten bleiben. Sie schaden weder Grabsteinen noch Bäumen.
Alte Bäume - Durch das Anlegen eines Baumkatasters zur Identifikation der Bäume und regelmäßige Sichtungen wird die Sicherheit gewährleistet und der Baumbestand erhalten. Viele Kirchenkreise bieten Schulungen zur visuellen Baumkontrolle. Kosten für die regelmäßige Beauftragung von Sachverständigen können eingespart werden
Freiflächen umgestalten
Wiesen statt Rasen - Durch die Reduzierung auf maximal zwei Mähtermine ab Mai und die Abfuhr des Mähgutes entwickelt sich nach und nach eine artenreichere Wiese. Um Blühwiesen anzulegen, sind Planung und Bodenbearbeitung erforderlich. Kleine Blühflächen eignen sich auch als Aufwertung von verlassenen Grabstellen oder Gemeinschaftsgrabflächen.
Sandarium - Dreiviertel aller Wildbienenarten nisten in offenen sandigen Bodenstellen. Angelegte Sandarien unterstützen Wildbienen und laden zum Beobachten ein.
Streuobstwiese - Auf nicht benötigten Freiflächen des Friedhofes entsteht mit der Neuanpflanzung einer Streuobstwiese mehr Strukturvielfalt. Die Wahl alter, regionaler Sorten trägt dazu bei, bedeutendes Kulturgut zu bewahren.
Benjeshecke & Totholzhaufen - Hecken aus aufgeschichteten Zweigen und Ästen sowie Totholzhaufen aus den größeren Ästen und Stämmen bieten Lebensraum für totholzbewohnende Lebewesen. Da das Schnittgut nicht entsorgt werden muss, werden Kosten gespart.
Gemeinsam aktiv
Mülltrennung in kompostierbare Abfälle, Plastikmüll und Restmüll; noch nutzbare Pflanzen, Blumenzwiebeln und Pflanztöpfe separat sammeln zum Wiederverwerten; Kompost zur Verfügung stellen, um die Verwendung von Torferde zu vermeiden
Mustergrabstelle inspiriert und informiert über eine naturnahe Grabgestaltung mit mehrjährigen Stauden; Arbeit, Kosten und Müll werden reduziert
Führungen zur Artenvielfalt auf dem Friedhof (Fledermäuse, Insekten, Blühpflanzen)
Arbeitseinsätze mit Ehrenamtlichen, z.B. eine Frühblüherpflanzaktion im Herbst
Themengärten bei Teilflächenschließung als Orte der Ruhe und Besinnung, wie Apothekergarten und Bibelgarten
Schilder zur Kennzeichnung der Kleinlebensräume sowie einzelner Pflanzen
Wir sind in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland ihre Ansprechpartner*innen für Biodiversität auf kirchlichen Flächen:
Umwelt- und Klimaschutzbüro der
Nordkirche
https://nordkirche-klimaportal.de/
Aktion „ÖkoFaire Gemeinde“/
“ÖkoFaire Einrichtung“
www.oekofaire-kirche.de
Verein zur Förderung des Friedhofenswesen
in der Evangelisch-Lutherischen Kiche in
Norddeutschland e.V.
www.kirchliche-friedhöfe.de
Dieser Flyer ist im Rahmen des Projektes „Vielfalt wächst – Klimabewusstsein erden“ (2023-2025; www.klima-erden.de) im Frauenwerk der Nordkirche entstanden und durch Mittel von BINGO! der Umweltlotterie und der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung gefördert.
Impressum: November 2025; Herausgeberin: Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland, Hauptbereich Generationen und Geschlechter, Frauenwerk der Nordkirche, Gartenstraße 20, 24103 Kiel, Fon 0431–55779100, www.frauenwerk-nordkirche.de; Redaktion: Regina Möller, Referentin für zukunftsfähiges Wirtschaften im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Auguste Sander, Frauenwerk der Nordkirche; Fotos: Regina Möller, Auguste Sander; Titelbild von Chris Arthur Collins auf Unsplash; Layout & Illustration: Dominique Benirschke
Ergänzend wurde ein informativer PDF-Flyer entwickelt um Gemeinschaftsprojekte im Garten, in der Gemeinde oder auf dem Friedhof durchzuführen. Der PDF-Flyer zum Selbstausdrucken ist beidseitig. Dieser kann ansprechend in Farbe, aber auch sparsam in Graustufe gedruckt werden.
„Frühblüher auf kirchlichen Flächen“