12. November 2021

Ein Garten – viele Lebensräume

Gärten, die naturnah angelegt und gepflegt werden, tragen zur Erhaltung einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt bei und sind besonders gut geeignet zur Abkühlung des Kleinklimas. Was ist aber ein naturnaher Garten?

Hier wachsen bevorzugt einheimische Pflanzen. Pflanzen und Tiere haben sich über die Jahrtausende aneinander angepasst. Die Pflanzen dienen den Tieren als Futterpflanzen, als Aufenthaltsort und Unterschlupf oder bieten ihnen Baumaterial. Umgekehrt haben sich die Pflanzen an die Tierwelt angepasst. So benötigen sehr viele Pflanzen die Insekten als Bestäuber, damit sie Samen bilden können und ihr Fortbestand gesichert ist. Zwischen vielen Tieren und Pflanzen bestehen sehr spezialisierte Abhängigkeiten, die durch andere Pflanzen nicht ersetzt werden können.

  1. Im naturnahen Garten werden möglichst viele unterschiedliche Lebensräume geschaffen: Feucht- und Trockenstandorte, sonnige, schattige und halbschattige Standorte, Hecken, Gebüsche, Bäume, Wasser, Fassaden- u. Dachbegrünung. Dazu gehören auch Kleinhabitate wie Wurzelstücke, liegende und stehende Baumstämme, Reisighecken, Steinhaufen, Steinmauern, Laub, offene sandige Bodenflächen usw. So haben viele verschiedene Pflanzen und Tieren geeignete Lebensmöglichkeiten. Versiegelung wird möglichst vermieden.
  2. Durch Pflegemaßnahmen wird das Beziehungsgeflecht von Pflanzen und Tieren so wenig wie möglich gestört. Stauden werden z. B. erst im Frühjahr geschnitten, damit die Samen für Vögel im Winter zur Verfügung stehen. Laub bleibt in den Beeten und unter Hecken liegen, schützt den Boden und Kleinsttiere im Winter. Pflanzen dürfen sich aussamen, es entsteht eine gewisse Dynamik im Garten. Auf eine Pflege kann aber nicht verzichtet werden. Überhandnehmende oder zu konkurrenzstarke Arten werden gejätet, um die Lebensraum- und Strukturvielfalt zu erhalten.
  3. Nicht zuletzt ist ein naturnaher Garten für die darin lebenden Menschen ein Ort der Schönheit, der vielfältigen Nutzung und des Naturerlebens. Der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Ob rechtwinklig oder mit geschwungenen Linien ist der Natur egal. Sie ist an die Vorlieben und Nutzungsansprüche der Bewohner*innen angepasst.

Wir stehen heute vor der Herausforderung, Lösungen zum Schwund der Artenvielfalt und zum Klimawandel zu finden.

Weitere Infos unter www.naturgarten.org.

Dr. Heinke Marxen-Drewes ist Landschaftsarchitektin und hat ein Büro für naturnahe Grünplanung in Melsdorf bei Kiel.